Tjorven Bruns

Harris Stowe University (ehemals JFV Bremen)

Nach mehr als vier Monaten in den USA bin ich seit ein paar Tagen wieder zu Hause und habe eine kleine Pause von dem größten Abenteuer meines Lebens bisher.
 
Die letzten Tage vor meinem Reiseantritt im Juli war ich sehr nervös, angespannt und traurig all meine Freunde und meine Familie zurück zu lassen. Als ich am 29.7.2021 in St. Louis angekommen bin hat unser Coach mich und zwei andere Mitspieler vom Flughafen abgeholt. Ich war direkt fasziniert von dem neuen Land und der ganzen Umgebung. Die ersten Nächte in der Wohnung mussten wir noch ohne Decke und Kissen auskommen. Aber mit bis zu 40° im Sommer war das kein Problem. Wir konnten uns entspannt einrichten und alles besorgen auch wenn es ohne Auto zu kleinen Schwierigkeiten kam (Wasserkanister 2 km zur Metro tragen) aber die über die Erfahrungen kann ich mittlerweile lachen.
Nach der Zeit kamen immer mehr Mitspieler aus ihrer Heimat zurück und wir haben uns direkt unglaublich gut als Team verstanden. Mehr als 15 Nationen sind in unserem Team vertreten und jeder kommt von einem unterschiedlichen Teil der Welt um an dieser Schule Fußball zu spielen. Das hat und stark Verbinden und hält uns sehr stark zusammen. Ich hatte bisher noch nie so eine starke Gruppe zusammen und bin überglücklich in diesem Team zu sein und die verschiedensten Leute und Kulturen kennenzulernen.
 
Nach einer Woche ging es los mit der Vorbereitung und den ersten Fitnesstests. Zwei mal pro Tag Training bei 35° war anders als ich es gewohnt war. Nach zwei Wochen haben wir dann zu einmal pro Tag Training gewechselt und die ersten Spiele gingen los und dann auch die ersten Vorlesungen. Die Uni war und ist immer noch zweitrangig und auch mit nicht dem größten Aufwand gut zu bewältigen. Ich konnte zum Glück schnell zum Stammspieler werden, da wir nicht viele Optionen in der Innenverteidiger Position hatten und wir haben schon vor den ersten Conference Spielen einen sehr guten Record aufstellen können mit nur einer Niederlage in ca. 10 spielen. In der Conference lief es dann auch sehr gut. Wir sind als Team durch das täglichen Training, die Vorlesungen, das zusammen wohnen und, Unternehmungen immer stärker zusammengewachsen zu einer Familie. Viele der Kurse und vor allem die Klausuren waren Multiple-Choice und Online wodurch ich mit der Uni keine Probleme hatte.
 
In der Conference konnten wir nach 8 spielen den 3. Platz erreichen und gingen dann ins Viertelfinale der PlayOffs gegen den 6. Platz. Ein Gegner 20 Minuten von unserer Uni entfernt und gegen die wir schon in der Saison in der Verlängerung gewinnen konnten. Im Verlauf der Saison hat sich die Uni und die komplette Community immer mehr für Fußball interessiert. Wir hatten leider nicht so viel Kontakt zu anderen Studenten weil wir mehr oder weniger die einzigen „anderen“ waren. Leute von überall aus der Welt und nicht nur Amerikaner, aber nach und nach haben sich immer mehr Studenten für unser Programm interessiert und dann auch unsere Spiele angeschaut. Nachdem wir am Anfang vielleicht 50 Zuschauer pro Spiel hatten waren es in den Playoffs dann 200-300.
Im Viertelfinale konnten wir im Elfmeterschießen das Spiel für uns entscheiden und dann ins Halbfinale einziehen. Gleichzeitig hatte der 7. Platz gegen den 2. Platz gewonnen wodurch wir im Halbfinale noch ein Heimspiel haben konnten und durch ein 1:0 Sieg in der Verlängerung ins Finale einziehen konnten (gegen den 1. Platz).
 
Wir sind ein Tag vor dem Spiel nach Arkansas gefahren und konnten im Hotel übernachten. Am nächsten Tag war die Anspannung ziemlich groß. Die Harris-Stowe State University hatte in den zwanzig Jahren keine Meisterschaft gewonnen und sind in den letzten Jahren nicht mal mehr in die Play Offs gekommen und dann dieses Jahr mit dem niemand gerechnet hatte standen wir im Finale des Championship Tournament.
 
Nach einem hitzigen und kämpferischen Spiel hatten wir mit einem 2:1 leider das Nachsehen und die Enttäuschung war groß im ganzen Team. Auch unser Mädchen Team konnte es ins Finale schaffen, scheiterten dort aber auch an dem erstplatzierteren. Auch noch nach Tagen hat man gespürt das alle traurig waren aber da wir viel Zeit innerhalb des Team verbringen konnten wir uns gut wieder aufbauen und gehen jetzt motiviert in dir Off Season und dann in die nächste Saison. Ob ich dann noch da bin oder ob ich nach Hause gehe ist noch nicht sicher. Mein Plan war es für ein Jahr zu bleiben aber da ich jeden Tag genieße und es mir unglaublich viel Spaß macht in St. Louis, in der Schule und vor allem in dem Team überlege ich mindestens noch eine Saison zu bleiben. In diesem bisher halben Jahr konnte ich auf jeden Fall so viel lernen wie noch nie. Nicht in der Schule aber von all den Leuten die ich kennenlernen konnte und über das Land, das mich immer noch sehr fasziniert und von dem ich noch viel mehr sehen will.

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